Einleitung
Daniel: "Hallo Vesna Braun, besten Dank, dass Sie uns für ein kurzes Interview zur Verfügung stehen! In der Dentalbranche steht Ihr Name für erfolgreiches Praxismanagement. Sie haben zahlreiche Publikationen über Patientenumgang, Prophylaxethemen, Qualitätsmanagement u.v.m. veröffentlicht. Mich interessiert immer, was für Sie der ausschlaggebende Punkt war, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen?"
Vesna Braun: "Hallo Herr Felsing und hallo liebe PIXEL.dental Community. Der Wunsch nach Selbstständigkeit stand bei mir nie im Vordergrund, sondern die Freude und Professionalität in meinem Beruf. Bis zu meinem 30. Lebensjahr habe ich viel Zeit und Geld in meine berufliche Weiterbildung investiert. Immer mit dem Blick auf die Besten, habe ich viele Weiterbildungen im In- und Ausland (Dänemark & Schweiz) besucht und versucht, so viel Wissen wie möglich aufzusaugen. Hoch motiviert kam ich in die Praxis zurück, um das neu Erlernte umzusetzen, und genau ab da traten die Hürden auf. Der Chef, die Kolleginnen, der Patient und natürlich die Wirtschaftlichkeit – alles musste berücksichtigt werden. Bitte nicht falsch verstehen, ich arbeite in einer großartigen Praxis (nunmehr seit über 32 Jahren), mit Chefs, die mich unterstützen, und Kolleginnen, bei denen das Prophylaxeherz genauso brennt. Aber man darf nicht vergessen, dass auf den Kongressen und Schulen hauptsächlich zahnmedizinisches Fachwissen vermittelt wird. Diverse Studien und Untersuchungen sind wichtig, aber eine Checkliste, wie man das Gelernte in der eigenen Praxis umsetzt, fehlt oft. Meist waren die Dozenten aus Universitäten und Hochschulen, wo der Alltag einfach anders ist. Was soll ich sagen, ich habe viele Techniken und Vorgehensweisen ausprobiert, um ein schlüssiges Therapiekonzept zu entwickeln. Das war mühsam und langwierig, und natürlich hat nicht immer alles funktioniert, aber ich habe viel daraus gelernt. Erst nach 13 Jahren Praxis- und Prophylaxeerfahrung kam die Idee, das praxisorientierte Prophylaxewissen an andere weiterzugeben und individuell angepasste Schulungen anzubieten."

Motivation als Schlüssel zur Zusammenarbeit
Daniel: "Erst letztens durfte ich Sie bei einem Vortrag zum Thema „Änderung von Gewohnheiten: Die große Herausforderung der Motivation!“ erleben. Ist Motivation Ihrer Meinung nach der zentrale Schlüssel für eine gute Zusammenarbeit?"
Vesna Braun: "Auf jeden Fall. Wie heißt es so schön: Jeder Mensch wird durch etwas bewegt! Bleibt die Frage was? Es gibt so viele Motivationsgründe – im privaten Bereich, im Job, beim Patienten. Gerade beim Patienten ist Motivation unerlässlich für ein gesundes Zahn- und Mundverhalten, die Recall-Termine, die Einhaltung von Terminen, die Rechnungsbegleichung und natürlich für eine gute häusliche Mundhygiene. Unsere Aufgabe besteht darin, den Patienten zu optimalen Präventionsmaßnahmen zu bestärken und zu unterstützen. Früher setzte man auf Compliance, heute verfolgt man bei der Motivation mehr die Adhärenz, also ein Therapiekonzept, das gemeinsam von Patient und Praxis/Prophylaxe entwickelt wird. Meinen Patienten kann ich nur als Partner gewinnen, wenn ich gut zuhöre. Was ist meinem Patienten wichtig? Warum ist dies oder jenes schwer umzusetzen? Erst wenn ich meinen Patienten kenne, kann ich individuelle Tipps geben. Nur wenn ich in der Recallsitzung nachfasse, kann ich die Gründe verstehen und neue Wege finden. Gemeinsam entwickeln wir einen individuellen Mundhygieneplan, der alltagstauglich und umsetzbar ist. Der Patient fühlt sich ernst genommen, arbeitet mit, und ich kann ihn in seinen Bemühungen bestärken, loben und weiter anspornen. Dieses Verhalten schafft Vertrauen, die Basis für eine lange Zusammenarbeit."
Bedeutung des menschlichen Umgangs
Daniel: "Wie wichtig ist für Sie ein guter menschlicher Umgang mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit Ihren Patienten?"
Vesna Braun:
"Ein respektvoller und loyaler Umgang ist die Basis jeder guten Zusammenarbeit. Ob in der Praxis, in der Familie oder unter Freunden – jeder Mensch ist einzigartig! Ganz gleich, ob Patient oder Kollegin, die Stärken und Interessen jedes Einzelnen zu erkennen und sie gewinnbringend für alle einzusetzen, bringt Erfolg, macht Spaß und schweißt zusammen. Sie glauben gar nicht, was ich alles von meinen Patienten lerne."

Praxiserfolg durch Teamarbeit
Daniel: "Würden Sie sagen, dass dies den Praxiserfolg maßgeblich beeinflusst?"
Vesna Braun: "Ja natürlich, allein bewegt man wenig. Im Team, sei es mit den Patienten oder den Kolleginnen, kommt man erst richtig voran und wird viel kreativer. In unserer Praxis bin ich nicht nur die Prozessbeauftragte der Prophylaxeabteilung, sondern leite auch den Bereich, der derzeit aus acht Prophylaxekolleginnen besteht. Wir sind ein „Rädchen“ von vielen anderen Bereichen in der Praxis. Es gibt viele Prozesse – Rezeption, Assistenz, Prophylaxe, Personal, Labor – die einzeln und zusammen funktionieren müssen. Für mich bedeutet das konkret: Ausrichtung und Ziele der Prophylaxe mit dem Chef besprechen, Schnittstellen mit anderen Bereichen abklären, Prophylaxeteambesprechungen führen, Lösungen finden, überprüfen, korrigieren usw. Jedes „Rädchen“ greift in ein anderes, und zusammen bewegen wir uns und die Praxis nach vorne."
Über „Praxis & More“
Daniel: "Erzählen Sie mir doch etwas mehr über „Praxis an More“. Wo liegen Ihre Schwerpunkte und was machen Sie besonders gerne?"
Vesna Braun: "Als praktizierende Dentalhygienikerin liegen meine Schwerpunkte klar in der Prophylaxe und deren Vermittlung und Implementierung in der Praxis. Dies ist heute ein großer Bereich, und der Delegationsrahmen bietet den Mitarbeitern viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Beginnend mit der Frühuntersuchung für die Kleinsten, der Individualprophylaxe mit Fissurenversiegelung, Infiltrationstechnik und systemischer KFO-Prophylaxe. Bei den Erwachsenen dann die professionelle Zahnreinigung, Zahnaufhellung, unterstützende PAR-Therapie, Instrumentenkunde, Halitose, apdT-Therapie (Softlaser), Prophylaxemaßnahmen bei Implantatpatienten oder Risikopatienten, geriatrische Prophylaxe oder Prophylaxe für vulnerablen Patienten. Präventionsmaßnahmen sind vielseitig und müssen individuell angeboten und durchgeführt werden. Genau hier setzt „Praxis & More“ mit Präsenzschulungen, Fortbildungen und Webinaren an. Immer häufiger werden auch Praxis-/Prophylaxeanalysen, Kommunikations- und Verkaufsschulungen sowie Updates und Produktschulungen angefragt. Meine langjährige Praxis-, Referenten- und Prüfererfahrung hilft mir, praxisnahe und umsetzbare Vorgehensweisen vorzustellen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Dentalfirmen (Entwicklung, Neuigkeiten, nationale/internationale Schulungen, Messeeinsatz, Anwendung, Indikation) kann ich Praxen im Umgang mit jeglichen Geräte-/Instrumentenmarken und Technologien schulen. In Praxisschulungen üben wir immer am „echten“ Patienten und mit dem vorhandenen Equipment der Praxis. Als Qualitätsmanagementbeauftragte kenne ich die Vorzüge eines gelebten QM-Systems und helfe gerne mit Rat und Tat. Seit Jahren halte ich auch Vorträge für diverse Kranken- und Altenpflegeschulen, Vereine und Patientenorganisationen, was sehr spannend ist, da ich die Patientenseite mit all den Fragen und Erfahrungen kennenlerne. Diese Erfahrungen gebe ich wiederum in Fachvorträgen weiter. Kooperationen bestehen auch mit vielen Verlagshäusern, die mich für diverse Publikationen, Bücher und didaktische Hilfsmittel buchen. „Praxis & More“ bietet eine große Angebotsvielfalt, immer passend zum Kunden, Mitarbeiter und Patienten. Der Spaßfaktor liegt darin, wenn mein Gegenüber nach einem Vortrag oder einer Schulung genauso für das Präventionsthema brennt wie ich. Wenn ich Teams zusammenführen und die Prophylaxe hochwertiger durchführen kann, steigert das nicht nur die Praxisumsätze, sondern macht auch allen richtig Spaß!"

Umgang mit schwierigen Kunden
Daniel: "Gibt es in Ihrem Bereich auch schwierige Kunden und wie gehen Sie damit um?"
Vesna Braun: "Schwierig wird es, wenn Praxen glauben, dass ein vierstündiger Termin alle Probleme lösen kann. Das ist unmöglich. Auch wenn die Praxis keine konkreten Erwartungen oder Ziele hat, ist es schwer, etwas zu bewegen. Wir verbringen zwar eine schöne Zeit miteinander, aber die Schulung hat dann keine Nachhaltigkeit. Deshalb versuche ich, im Vorfeld so viele Informationen wie möglich über die Praxis (Philosophie), Mitarbeiter (Qualifikation, Zuständigkeit, Prophylaxeangebot) zu sammeln. Wo gibt es Probleme, was könnte besser laufen? Meine Fragen führen meist dazu, dass sich die Gesprächspartner Gedanken über den Alltag machen, und ich erfahre die Erwartungen besser. Gemeinsam finden wir meist eine individuelle Lösung."
Tipps für nachhaltige Umsetzung
Daniel: "Viele Inhalte sind den meisten Praxen bestimmt bekannt oder sie haben das schon mal gehört, setzen diese aber meist doch nicht um. Was können Sie unseren Lesern für ein nachhaltige Umsetzung an Tipps geben?"
Vesna Braun: "Bei externen Kursen und Vorträgen treffe ich viele Teilnehmer aus unterschiedlichen Praxen, daher muss ich meine Tipps weit streuen, um für jeden Beispiele zur Umsetzung anzubieten. Was für eine Generalistenpraxis möglich ist, muss für eine Spezialistenpraxis oder Klinik nicht dasselbe bedeuten. Jede Teilnehmerin sollte sich selbst überlegen, welcher Tipp passen könnte, und ihn umsetzen. Es kann hilfreich sein, sich nicht zu viel vorzunehmen, vielleicht drei Tipps. Diese sollten zeitnah mit dem Vorgesetzten und dem Team besprochen und dann strukturiert umgesetzt, reflektiert und korrigiert werden. So können die nächsten Empfehlungen etabliert werden. Bei internen Kursen ist das wesentlich einfacher, für mich und die Teilnehmer, da ich gezielte und konkrete Tipps geben kann."
Daniel: "Danke für die tollen Einblicke und Tipps!"
Wenn Ihr Schulungsbedarf in genau diesen Themen habt, könnt Ihr direkt unter www.praxis-and-more.de einen Termin mit Vesna Braun ausmachen!